Über soziale Netzwerke, digitale Gewohnheiten und die Freiheit, auch einmal nicht mitzumachen.

Irgendwann habe ich gemerkt, dass ich mein Smartphone ziemlich oft in der Hand hatte, ohne eigentlich etwas damit zu tun. Kurz nachsehen, ob es etwas Neues gibt. Ein paar Beiträge lesen. Schauen, was andere gerade machen. Und dann das Ganze eine halbe Stunde später wiederholen.

Es war keine bewusste Entscheidung. Es gehörte einfach dazu.

Lange Zeit waren soziale Netzwerke für mich durchaus interessant. Man konnte mit Menschen in Kontakt bleiben, neue Dinge entdecken und sich über Themen austauschen. Gerade LinkedIn hatte für mich auch beruflich seinen Platz.

Aber mit der Zeit hat sich etwas verändert.

Aus Austausch wurde immer häufiger Selbstdarstellung. Aus interessanten Gedanken wurden Erfolgsmeldungen, Karriereschritte und die nächste persönliche Marke. Man scrollt durch die Beiträge und bekommt manchmal den Eindruck, dass alle ständig etwas erreichen, gründen, verändern oder optimieren müssen.

Irgendwann habe ich mich gefragt, was ich dort eigentlich noch suche.

Weniger Plattform, mehr eigenes Leben Instagram habe ich bereits verlassen. Und auch bei LinkedIn frage ich mich zunehmend, ob ich dort noch richtig bin.

WhatsApp habe ich bisher allerdings noch nicht durch Signal ersetzt. Der Gedanke beschäftigt mich aber schon länger.

Denn so einfach ist das gar nicht. Wer Signal nicht installiert hat, kann mich dort auch nicht erreichen. Ein Wechsel ist deshalb mehr als nur eine andere App auf dem Smartphone. Es ist ein kleiner Schnitt in die mediale Nabelschnur.

Das habe ich bereits erlebt: Man entscheidet sich für einen anderen Kommunikationsweg und plötzlich heißt es: „Du bist ja gar nicht erreichbar?“ – WTF?

Dabei gibt es durchaus Alternativen: E-Mail, SMS, ein ganz normaler Anruf oder eben Signal. Man muss nicht für jede Nachricht dieselbe Plattform verwenden.

Vielleicht ist genau das ein Teil digitaler Selbstbestimmung: selbst zu entscheiden, wie und worüber man erreichbar sein möchte.

Ein bisschen mehr digitale Eigenständigkeit Inzwischen beschäftige ich mich stärker mit Alternativen. Signal, Linux, Open Source und europäischen Anbietern.

Nicht, weil alles andere schlecht wäre oder weil ich mich komplett aus der digitalen Welt verabschieden möchte.

Im Gegenteil: Ich nutze Technik gerne. Ich probiere Dinge aus, installiere Linux-Distributionen, beschäftige mich mit alternativer Software und freue mich, wenn ein älteres Gerät noch ein paar Jahre sinnvoll weiterverwendet werden kann.

Aber ich möchte selbst entscheiden, welche Werkzeuge ich verwende.

Digitale Unabhängigkeit bedeutet für mich nicht, alles selbst betreiben zu müssen. Es bedeutet vor allem, Alternativen zu kennen und nicht automatisch beim größten oder bekanntesten Anbieter zu landen.

Und was kommt danach? Bis Ende 2026 möchte ich auch LinkedIn hinter mir lassen. Das ist keine große Ankündigung und auch kein Protest. Es ist einfach eine persönliche Entscheidung.

Vielleicht verliere ich dadurch ein paar berufliche Kontakte. Vielleicht verpasse ich interessante Informationen. Das kann durchaus sein.

Aber ich gewinne auch etwas: Zeit, Ruhe und ein Stück Kontrolle darüber, womit ich mich beschäftige.

Ich möchte wieder mehr lesen, draußen unterwegs sein, Dinge ausprobieren und Gedanken aufschreiben, ohne dabei ständig an Reichweite, Likes oder Sichtbarkeit zu denken.

Deshalb gibt es diesen Blog.

Hier muss nichts viral gehen. Ich muss keine persönliche Marke aufbauen und auch nicht jeden Tag etwas veröffentlichen. Wenn ein Gedanke fertig ist, schreibe ich ihn auf. Wenn nicht, bleibt die Seite eben eine Weile ruhig.

Vielleicht ist das in einer Welt, in der ständig alles schneller und lauter wird, gar keine so schlechte Sache.

Ich muss nicht überall dabei sein. Und manchmal ist genau das ein ziemlich gutes Gefühl.